Doris Kengelbachers Abfallkönig

Ein wunderbare Müllgeschichte für alle Märchenfans

Die Wilerin Doris Kengelbacher ist an Kindergärten und Schulen unterwegs, um Kinder im Umgang mit dem Abfall zu sensibilisieren. Nun hat sie zu dieser Problematik ein wunderschönes Märchen geschrieben. 

Doris Kengelbacher ist eine Abfallspezialistin. Im Auftrag der Stiftung Praktischer Umweltschutz Schweiz (Pusch) und des Zweckverbands Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) besucht sie Schulen und Kindergärten und vermittelt den Kindern, was sie zu einem sorgsamen Umgang mit Abfällen und Ressourcen beitragen können. Doris Kengelbacher ist als Pusch-Fachlehrkraft ausgebildet. Ihr Unterrichtsangebot gestaltet sie stufengerecht und erlebnisorientiert. Es beinhaltet Gruppenarbeiten, Spiele, Postenläufe, Experimente und Geschichten.

Spielerisches Lernen

In den Kindergärten und bei den Unterstufenklassen hat Doris Kengelbacher immer den Abfallkönig dabei. Die ganz aus Abfall hergestellte Puppe ist der erklärte Liebling der Kleinen. Der Abfallkönig und die Abfallspezialistin erzählen den Kindern jeweils gemeinsam das Märchen vom Abfallkönig. Mit leuchtenden Augen und gespitzten Ohren sind die Mädchen und Knaben voll bei der Sache. Es war einmal ein König. Den Kindern gefällt es überhaupt nicht, wenn sie dann hören, was dieser Herrscher und seine Untertanen machten. Unglaublich! Die warfen ihren Abfall doch einfach aus den Fenstern. Mitten auf die Wiesen, in die Bäche, die Seen und die Wälder. Kein Wunder, dass bald das ganze Königreich im Schmutz versank. Tiere und Pflanzen litten sehr unter der Verschmutzung. Nicht einmal mehr die Sonne mochte scheinen. Als es schon fast zu spät war, merkte der König zum Glück, dass es so nicht weitergehen konnte. Nach langem Nachdenken fand er eine Lösung. Er liess im ganzen Land Abfallkübel aufstellen, ernannte Müllsortierer und Abfallmänner. Die sammelten den ganzen Dreck ein und suchten das noch Brauchbare heraus. Den restlichen Müll vergruben sie dann in einem grossen Loch. Von da an nannten die Menschen den klugen König nur noch „Abfallkönig“. Dass der Müll heute in den Verbrennungsanlagen sogar noch besser entsorgt werden kann, freut die Kinder jeweils ganz besonders. Von der Geschichte des Abfallkönigs lernen sie viel. nach den Lektionen von Doris Kengelbacher werfen sie ihren eigenen Abfall mit Begeisterung ganz selbstverständlich in die Papierkörbe und Abfallkübel.

Kochen vergessen

Die Begeisterung der Kinder für die Geschichte des Froschkönigs hatte ihn der Erfinderin schon länger den Gedanken, sie in einem Buch zu veröffentlichen, geweckt. „Es war an einem Vormittag im letzten Herbst. Daran kann ich mich noch so deutlich erinnern, als wenn es gestern gewesen wäre“, erzählt Doris Kengelbacher. „Ich hatte gerade eine Lasagne vorbereitet. Plötzlich aber packte mich die Schreibwut. Wie von einem inneren Zwang getrieben, tippte ich die ganze Abfallkönig-Geschichte in einem 'Schnorz' in meinen Compi. Als dann meine Familie am Mittagstisch erschien, hatte ich ganz vergessen die Lasagne in den Ofen zu schieben.“ Doris Kengelbacher lacht. Ihre Kinder habe sie schon während der ganzen Schulzeit mit ihren Geschichten genervt: „Wenn sie einen Aufsatz nach Haus brachten, war ich sofort mit Kritik zu Stelle. Ihr hättet meine Aufsätze von früher lesen müssen! Da war dann noch Fantasie und Spannung drin!“ Der Kengelbacher-Nachwuchs lachte seine Mutter damals nur aus. Niemand in der Familie hätte zu jenem Zeitpunkt auch nur im Traum daran gedacht, dass Mama später einmal als Autorin für Furore sorgen könnte. „Das Manuskript war nun fertiggestellt“, erzählt Doris Kengelbacher weiter. „Nun machte ich mich gezielt auf die Suche nach einem Verlag. Dieser musste in der Nähe sein, hatte ich mir vorgenommen.“ Im Internet stiess die Neo-Schriftstellerin auf den Verlag Reinhold Liebig in Frauenfeld. Kurzentschlossen schickte sie dem Buchverlag einige Probeseiten ihres Märchens. Bereits am anderen Tag meldete sich ein begeisterter Verleger bei Doris Kengelbacher. Sie solle ihm unverzüglich das gesamte Werk zusenden. Er sorge für alles weitere.

Wunderschöne Zeichnungen

Zum glücklichen Gelingen des Werks fehlten aber noch die Illustrationen. Über Verleger Reinhold Liebig kam die Wilerin in Kontakt mit der Malerin Edith Duvoisin Johner aus Zürich. Die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb prächtig. Die Illustratorin malte nach den Vorgaben der Autorin innert kürzester Zeit wunderschöne Zeichnungen. Als dann, als Tüpfelchen auf dem i, auch noch der ZAB Bazenheid das Projekt mit einem grosszügigen Zustupf finanziell unterstützte, war es nur noch ein kurzer Weg, bis die stolze Doris Kengelbacher den ersten Probedruck in Händen halten durfte. Und bereits nächste Woche werden die ersten druckfrischen Exemplare des „Abfallkönigs“ ausgeliefert. „Ich freue mich wie ein kleines Kind darauf“, erklärt die Märchenfee voller Ungeduld.  Noch habe sie sich keine konkreten Gedanken über die Promotion des Buches gemacht. Die Erstauflage beträgt beachtliche 1000 Exemplare. Doris Kengelbacher hat vor, Lesungen in Schulen, Kindergärten, Bibliotheken und Buchhandlungen durchzuführen. An der Wufa vom kommenden September wird sie zudem mit ihrem Märchenbuch „Der Abfallkönig“ die Attraktion am Stand der ZAB Bazenheid sein.

Peter Mesmer